Das Lernen eines neuen Grammatikphänomens passiert im besten Fall im Kontext und folgt den folgenden Schritten:
Phase 1:
Im ersten Schritt wird das Phänomen selbst entdeckt: Wie funktioniert es? Wie wird es gebildet und verwendet?
Als Quellen können wir Lieder, Gedichte, Texte, Social-Media-Posts, Werbeplakate etc. verwenden.
Phase 2:
Es folgt eine Übungsphase mit konkreten Anleitungen und Hilfestellungen, um Sicherheit zu gewinnen.
Es kann auf verschiedene Übungen (Lückentexte, Sätze bilden etc.), Metalernen (Lernen durch Lehren, Expert:innenrunden) und Spiele zurückgegriffen werden.
Phase 3:
Einen Lückentext korrekt auszufüllen, bedeutet noch lange nicht, dass das Phänomen verstanden wurde und aktiv angewendet werden kann. Daher wird im dritten Schritt genau diese freie Anwendung geübt.
Wir schaffen in Form von Sprechsituationen oder Schreibanlässen gute Rahmenbedingungen, sodass die Lernenden die Strukturen anwenden können. (Bsp: Social-Media-Post: Es wird vorgegeben, dass mindestens drei Bedingungssätze im Beitrag stecken müssen.)
Natürlich ist damit noch lange nicht alles erledigt und es müssen viele weitere Wiederholungsphasen folgen, bis das Gelernte wirklich sitzt. Der erste Schritt wäre allerdings gemacht.
Für mich ist beim Grammatikerwerb wichtig, dass die Lernenden analysieren und verstehen, was sie mit dem jeweiligen Phänomen ausdrücken können und wie diese Struktur auf eine:n Muttersprachler:in wirkt, bzw. was diese Struktur dem Gegenüber vermittelt und zu verstehen gibt.
Folgende Strategien sind für mich zusätzlich hilfreich, um eine gute Basis für erfolgreichen Grammatikunterricht zu schaffen:
Druck rausnehmen!
Klar, Grammatik ist wichtig, aber oftmals versteifen sich Lernende auf kleine Dinge, die sie dann beim Sprechen blockieren. Viel wichtiger ist zunächst, dass die Botschaft ankommt und Kommunikation gelingt. Erst im nächsten Schritt geht es um sprachliche Feinheiten.
Verschiedene Methoden!
Gerade bei komplexen Themen ist Abwechslung wichtig. Die Arbeit mit Grammatik darf bunt und bewegt sein. Eine meiner Lieblingsaktivitäten sind zum Beispiel Laufdiktate. Hier können Grammatikphänomene im Kontext trainiert werden.
Metalernen und Feedbackrunde
Ich stelle den Lernenden gerne am Ende einer Einheit die Frage: „Welche drei Dinge habt ihr euch von heute mitgenommen?“. Dann reflektieren wir noch einmal gemeinsam, welche Hard Facts auf keinen Fall vergessen werden sollen. Spannend ist dann auch zu sehen, ob diese in der nächsten Stunde noch im Kopf sind.
Tipp: Einen Tipp zur Auffrischung von Grammatik und Strukturen generell habe ich auch noch. Manchmal korrigiere ich Aufsätze so, dass ich nur Fehler unterstreiche, die die Kommunikation beeinträchtigen würden. Die Lernenden müssen dann eine korrigierte Version schreiben und mir zudem erklären, warum sie falsche Strukturen so ausgebessert haben. Sehr spannend, um mehr aus den Korrekturen herauszuholen.
Ein erfolgreicher Grammatikunterricht lebt von Struktur, Wiederholung und vor allem von sinnvollen Anwendungssituationen. Gerade hier dürfen wir als Lehrkräfte kreativ werden. In der Kopiervorlage findet ihr ausgearbeitetes Material, wie der Impératif auf diese Art und Weise ergänzend zum Schulbuch (nach TE 1 / Dossier 5 / nach Étape C) erarbeitet werden kann.
Teilt gerne eure Erfahrungen mit uns, wir freuen uns auf den Austausch!


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