Tous ensemble-Blog
Französisch unterrichten mit Tous ensemble

Wieviel Grammatik braucht der Mensch eigentlich?

In meiner Arbeit als Französischlehrer versuche ich stets, die richtige Mischung zwischen kommunikativen Spracherlebnissen und Grammatikstunden zu finden. Als Herausgeber war diese Frage bei der Entwicklung des neuen Tous Ensemble ein Leitgedanke.

⏳Das Maß aller Dinge

Nicht etwa eine fachdidaktische Diskussion um die beste Methode oder ein überarbeiteter Lehrplan waren die Gründe, weshalb ich mich so lange mit dieser Frage beschäftige. Nein, die Überlegung kam früher und kommt heute immer noch einfach aus meiner Unterrichtserfahrung heraus und der Tatsache, dass meine Schüler eben nur ein bestimmtes Maß an Grammatikunterricht mittragen. Ich musste immer wieder feststellen, dass reine Grammatikstunden den Lernern überhaupt keine Brücke zur Sprache bauten, sondern eher den Weg dorthin verstellten. Was war da los? In den Fortbildungen, die ich zu dieser Thematik besuchte, hat man die Ursachen hierfür unter dem Begriff der „veränderten Lernvoraussetzungen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen“ gefasst.

Okay aber, was hieß das nun für meinen Unterricht? Auf meiner Suche nach einer Lösung besann ich mich zunächst einmal auf die eigentliche Funktion, die Sprache in unserem Zusammenleben überhaupt besitzt, nämlich die der Kommunikation. Und tatsächlich, als ich meinen Schülerinnen und Schülern beibrachte, konkrete kommunikative Situationen sprachlich zu bewältigen, kam wieder Motivation auf. Denn der Sinn des Sprachenlernens stand plötzlich wieder im Fokus. Es wurde viel geübt. Wortschatz und Redemittel, Aussprache und Betonung und natürlich wurde auch viel über die Sätze und ihre Bedeutung gesprochen.

🪢Grammatik zur Vernetzung des Sprachlernens🪢

Und so kamen wir am Ende eben dann doch zu grammatikalischen Erkenntnissen und sprachen über die Zusammenhänge innerhalb der Strukturen. Denn natürlich hat Grammatik für das Fremdsprachenlernen eine Bedeutung. Doch bildet sie womöglich nicht den Zugang, sondern sie spielt viel eher eine Rolle beim Verstehen und beim Erkennen und somit bei der Vertiefung und der Vernetzung des Sprachenlernens. Und damit bin ich seitdem ganz gut gefahren. Meine Aufgabe als Lehrer besteht darin, den besten Moment für diesen Schritt auf die kognitive Ebene herauszufinden. Wie hoch darf die passende Dosierung, mit der ich meine Schüler bei ihren Lernvoraussetzungen abholen kann, sein. Tatsächlich hat sich im Laufe der Zeit bei mir ein Gespür dafür entwickelt, wann der richtige Moment da ist.

💬Am Anfang steht das kommunikative Ziel🗨️

Jüngere Schülerinnen und Schüler orientieren sich eher an einem kommunikativen Ziel, das sie sprachlich erreichen wollen. In der 5. Klasse fragen die Lerner weniger nach Formen, Endungen oder Schreibweisen. Sie wollen etwas zu essen kaufen, jemanden kennenlernen, etwas erzählen. Das Erleben steht hier an erster Stelle. Und dies machen sie mit heller Begeisterung. Sie probieren sich in der Sprache aus, lernen die exotisch klingenden Wörter zu sprechen und haben Freude an der Interaktion mit einem Partner. Damit schaffen sie sich eine wunderbare Grundlage für eine Sprachbetrachtung.

🧠Später folgt die Kognitivierung🧠

Ältere, Schülerinnen und Schüler teilen schon viel früher ihre Beobachtungen mit oder stellen Fragen. Manche Schülerinnen und Schüler wechseln früher andere erst später in den Modus der Kognitivierung. Dies hängt häufig mit den individuellen Lernvoraussetzungen zusammen. Und genau deshalb schätze ich die Trennung der kompetenzorientierten Étapes und dem Grammatikteil am Ende der Lektion im neuen Tous Ensemble. Denn dadurch kann ich zusammen mit den Schülerinnen und Schüler bestimmen, wann wir den Schritt zur Sprachbetrachtung machen.

📖Grammatik im neuen Tous Ensemble📖

Am Ende jeder Lektion des neuen Tous Ensemble befindet sich ein Grammatikteil, der die Themen in einem kommunikativen Zusammenhang präsentiert. In den Étapes, die dem Grammatikteil vorausgehen, befinden sich jeweils Hinweise auf die passenden Abschnitte. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, die sprachlichen Besonderheiten zu beobachten und Regelmäßigkeiten zu erkennen. Im Anschluss bieten das Schulbuch, das cahier d’activités, die Grammatikübungen und das Grammatische Beiheft systematische Übungen zu den Themen an.

💡Ein besonderer Tipp💡

Im neuen Tous Ensemble arbeite ich auch gerne mit den Erklärvideos zur Grammatik. Darin werden die Grammatikthemen gut strukturiert erklärt und anschaulich dargestellt. Diese setze ich zur vorwiegend zur Wiederholung am Ende der Unterrichtseinheit ein. Wir schauen die Filme zunächst gemeinsam an und die Schülerinnen und Schüler geben die Inhalte in eigenen Worten wieder. Sie haben auch die Möglichkeit, die Filme zuhause anzuschauen. Sie entsprechen den Themen, welche im Schulbuchanhang «Zoom sur la grammaire» aufgegriffen werden. Hier wird auch immer auf das entsprechende Erklärvideo hingewiesen. Besonders bei der Vorbereitung auf eine Klassenarbeit, bei Wiederholungsübungen zur Grammatik, oder auch bei der selbstständigen Arbeit mit den neuen Arbeitsplänen sind sie sehr nützlich. Ein schöner Service, der selbstständiges und nachhaltiges Lernen fördert.

Falk Staub ist Realschullehrer und Leiter einer Gemeinschaftsschule im Saarland. Seit vielen Jahren arbeitet er als Autor und Herausgeber an der Lehrwerksreihe Tous ensemble mit.

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Über den Autor

Falk Staub

Falk Staub ist Realschullehrer und Leiter einer Gemeinschaftsschule im Saarland. Seit vielen Jahren arbeitet er als Autor und Herausgeber an der Lehrwerksreihe Tous ensemble mit.

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