Homeschooling, digitaler Unterricht, hybrides Lernen, Lernen zuhause, die Bezeichnungen für das Lernen mit dem Computer vermehren sich rasant, seitdem das Leben mit dem Coronavirus unseren Alltag mitbestimmt. Jede Bezeichnung erhebt für sich eine eigene Definition. Es ist schwierig, in diesem Dickicht wirklich durchzublicken. Und vielleicht auch gar nicht so wichtig. Denn die Auswirkungen, die das ‚Lernen auf Distanz‘ auf das jeweilige Fach und die Art seiner Vermittlung hat, sind in allen Definitionsformen fast gleich. Egal ob Sie Ihre Schüler:innen über Lernplattformen, Foren oder einfach über einen E- Mail- Kontakt erreichen, alle Lehrkräfte können von ähnlichen Erfahrungen berichten.
Hier habe ich sechs Beobachtungen und Empfehlungen zusammengetragen, die mir im Laufe des letzten Jahres in Bezug auf Französisch besonders aufgefallen sind. Ein Fazit also und ein Ausblick. Er soll Mut machen, die Herausforderungen, die die Coronazeit für das Fach Französisch erbracht hat, anzunehmen.
1 Fahne hochhalten!
Mir ist aufgefallen, dass Französisch im Online-Unterricht zunächst mal aus dem Fokus der Lerner verschwunden war, da sich im Lockdown alle auf die sogenannten ‚Kernfächer‘ Deutsch, Mathe, Englisch gestürzt haben und Fächer aus dem Wahlbereich zurückgestellt wurden. Dies entsprach auch oft den Empfehlungen der Schulaufsicht oder der Schulleitungen. Für ein Fach wie Französisch ist dies natürlich fatal aufgrund der hohen Erwartungen, die andererseits gestellt werden. Für das Fach, das häufig von der Persönlichkeit der Lehrkraft gelebt hat, eigentlich eine schwere Zeit. Ich empfehle deshalb: Fahne hochhalten! Auch wenn Französisch nicht auf der Fächertafel des Online-Lernens vorgesehen ist, sprechen Sie ihre Schülerinnen und Schüler online an. Schaffen Sie Anlässe, die den Kontakt mit dem Fach erhalten. Ich habe schon früh kleine Filme über Paris oder Frankreich verlinkt und kleine Höraufträge gegeben. Ob Filme, Chansons, Rezepte oder Reportage über einzelne Regionen, das Internet bietet viele Möglichkeiten, den direkten Kontakt mit Frankreich und der Sprache zu pflegen.
Meine persönliche Empfehlung insbesondere für Anfänger:
Paris in 5 Minuten bei youtube (The Travelers)
(externer Link)
Und wer es auf Französisch bevorzugt:
Que visiter à Paris (Bruno Maltor)
externer Link)
2 Weniger ist mehr
Das Online-Lernen fordert von den Schülerinnen und Schülern hohe Konzentration und ein großes Maß an Selbstständigkeit. Werden die Schüler:innen dauerhaft überfordert, führt das zur Resignation und Demotivation. Die Lernportionen aus dem Präsenzunterricht scheinen digital nicht gut zu funktionieren und Lerner haben Probleme, sich selbst ihre Arbeit in angemessene Zeitphasen einzuteilen. Deshalb sollte man bei der Auswahl der Aufgaben und Übungen lieber weniger anbieten und die Lehrplanprogression mal zurückstellen. Wichtig auch: Meine Hoffnung ist sowieso, dass durch die Coronakrise ein neues Lehrplandenken einsetzt und man sich an realistischeren Erwartungen orientieren wird als dies bisher der Fall war. Ich gebe immer nur eine oder zwei Übungen aus den Révisions – Teilen von Tous ensemble an und ich weise auch auf die entsprechenden Grammatikkapitel im Buch hin. Den Bogen zwischen Aufgabenstellung und Abgabe nicht zu weit fassen. Die zeitlichen Vorgaben sollten überschaubar bleiben.
3 Online-Lernen macht einsam. Wirklich?
Es scheint, als würde das Lernen am heimischen Computer ein altes Vorurteil über das digitale Lernen bestätigen. Es wird zu viel alleine gearbeitet, es fehlt der menschliche Kontakt. Natürlich liegt es erst einmal auf der Hand, die Zeit des Rückzugs zu nutzen, um verloren gegangenen Wortschatz und vergessene Grammatik wieder aufzuarbeiten. In meinem Umfeld hat das Arbeitsblatt mit den Lücken ein echtes Revival erlebt und damit auch die Sinnfrage des digitalen Lernens. Denn auf die Dauer braucht man ein variantenreicheres Angebot, das auch zur Zusammenarbeit unter den Lernern anregt. Ideal eignen sich die Lernaufgaben aus Tous ensemble zur digitalen Bearbeitung. Wichtig dabei sind vor allem klar definierte Erwartungen und verständliche Arbeitspläne. Dann können Schülerinnen und Schüler auch gemeinsam an Aufgaben arbeiten, sich gegenseitig Dokumente zusenden, kommentieren, ergänzen etc. Ganz besonders empfehle ich digitale Pinnwände, die besonders auf die gemeinsame Projektarbeit ausgerichtet sind, z.B. padlet (externer Link)
4 Ein stummer Fremdsprachenunterricht ist kein Fremdsprachenunterricht
Tatsächlich fällt der kommunikative Rahmen, wie er oft von den Lehrkräften im Französischunterricht geschaffen wird, im digitalen Lernen erst einmal weg. Schade eigentlich, vor allem für die Anfänger. Man verlegt sich für die häusliche Arbeit lieber auf das Lesen und Schreiben. Natürlich kann hier eine Videokonferenz mit den Schülerinnen und Schülern helfen, aber jeder, der schon einmal an einer solchen Konferenz teilgenommen hat, weiß, wie behäbig die Kommunikation dort oft verläuft. Hilfreich erscheint dagegen die Aufnahmefunktion bei Handys zu sein. Gerne schicke ich das sogenannte ‘interview avec le prof‘ an meine Schülerinnen und Schüler. Dabei stelle ich ihnen ein paar Fragen, zu ihrer Person, zu einem Lebensbereich, aber auch zu einem Text, den ich sie habe lesen lassen. Sie nehmen mir die Antworten hierzu dann auf und senden sie zu. Eine ähnliche Möglichkeit bietet das ‚Tutorial‘. Die Schüler bereiten zu einem Thema eine kleine Präsentation vor und nehmen dann ein sogenanntes Bildschirmvideo auf. Dabei sprechen sie also zu den Bildern. Auch darin steckt Potential für ein gemeinsames Arbeiten. Das größte Problem dabei ist die Aussprache. Eben weil sie ihre Sätze eben doch oft vorschreiben und dann vorlesen mit entsprechend hoher Fehlergefahr. Aber ich verstehe das dann als eine Baustelle und sende ihnen eine korrigierte Version zurück mit der Bitte, sich zu verbessern.
Als Beispiel: ein Legefilm (je me présente)
5 Die Schwachen werden schwächer
Ganz klar, die Schüler:innen, die zuhause intensive Betreuung genießen, deren Eltern sie unumwunden unterstützen, haben die Krise meist ohne größere Schäden überstanden. Anders sieht es bei denen aus, die beim Lernen auf die Unterstützung, Steuerung und Hilfe durch die Lehrkraft angewiesen waren. Schüler:innen, denen zuhause niemand hilft oder helfen kann, haben deutlich an Leistungsfähigkeit verloren und zwar nicht nur, was ihre Kenntnisse betrifft, sondern auch und vor allem, was ihre Arbeitstechniken und Lernstrategien, ihre Kompetenzen und die sogenannte Kompetenzpflege betrifft. Für viele beginnt das Lernen neu. Das ist in allen Fächern so, betrifft aber das Fach Französisch besonders, weil es ja zwischendurch weg vom Fenster war. Mein Tipp: Zeit lassen und ankommen lassen. Lieber mit einem Projekt über Frankreich starten, französische Spezialitäten kochen als jetzt schnell den Lehrplan aufholen wollen und das Buch fertig bringen. Damit verliert man vor allem die unsicheren Schülerinnen und Schüler. In den modules von Tous ensemble finden sich viele Anregungen für große und kleine Projekttage, mit denen man die Schüler:innen wieder zurück an den Start bringen kann.
6 Corona ist auch eine Chance für Französisch
Eine echte Herausforderung stellt diese Coronakrise für den Französischunterricht dar. Denn nicht nur die Schülerinnen und Schüler müssen sich an neue Arbeitsweisen und Lerntechniken gewöhnen, auch die Lehrkräfte brauchen ihre Zeit, um diese Herausforderung zu bewältigen. Die Zeiten, in denen man viel über ‚Medienkompetenz‘ gehört und gelesen hat, scheinen vorbei zu sein. Mit der Erfahrung der Coronazeit gilt es genau, die Möglichkeiten des Digitalen in Verbindung mit Präsenzphasen auszuloten. Hierzu braucht es Anregungen und Ideen. Aber in solchen Herausforderung liegt auch eine Chance, das Unterrichten neu zu denken, die Schülerinnen und Schüler mit neuen Lerntechniken und neuen Medien zu motivieren, den Kontakt mit französischsprachigen Medien zu erleichtern und den Lehrer:innen aufzuzeigen, dass neue Wege nicht immer unbedingt Mehrarbeit bedeuten, sondern vieles auch effektiver und einfacher machen können. Kurz: Die Aufgabe besteht darin, die Hinwendung zum Digitalen zum Vorteil des Französischunterrichts zu machen. Und deshalb freue ich mich besonders auf den Tous ensemble Blog.








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