Lange Zeit versprochen – plötzlich war sie da: die digitale Arbeitsumgebung. Und ich völlig überfordert mittendrin. Warum ich mich schließlich trotzdem damit anfreunden konnte und ich diese Arbeitserleichterung nicht mehr missen möchte, lesen Sie hier.
Zugegeben: aller Anfang ist schwer. Aber: moodle ist seit über 20 Jahren aus dem Bildungssektor nicht mehr wegzudenken. Und der Vorteil liegt genau hier: das System existiert schon lange und wird ständig weiterentwickelt, so dass sich auf bekannten Seiten ein riesen Angebot zu kürzeren und längeren, leichteren oder komplexeren Tutorials finden lässt. Eine große Unterstützung in der Anfangszeit…
Zusätzlich gibt es eine Testseite (externer Link), die von moodle selbst angeboten wird. Dort kann man sich frei einloggen und alles Mögliche ausprobieren – ohne die Angst, etwas kaputt zu machen, da am Abend die Seite wieder zurückgesetzt wird.
Aber kommen wir zu meinen Lieblingsfunktionen:
So banal es sich anhört, so umfangreich ist das Textfeld und daher mein Lieblingsmaterial: Texte schreiben und das Layout anpassen? Kein Problem. Bilder, Links und Videos einfügen? Na klar. Ein Audio oder Video sogar aufnehmen? Sicher. H5P als interaktiven Inhalt integrieren? Natürlich. HTML anpassen? Tun Sie’s! Mit einem Klick kann ich für meine Schüler:innen schon ganz leicht ein vielfältiges Angebot schaffen und die verschiedensten Lerntypen ansprechen.
A propos H5P (externer Link)… Sind Ihnen diese interaktiven Inhalte schon begegnet? Es erlaubt, Inhalte passgenau anzulegen oder auch bereits bestehende Inhalte von Kolleg:innen zu importieren. Lösungen der Lernenden werden direkt überprüft, rückgemeldet und Hinweise zu den Fehlern gegeben. Für den Fremdsprachenbereich sind dabei Hörverstehens-, Sprech- und Grammatikübungen, Diktate und viele weitere Bereiche denkbar, die durch die verschiedenen Inhaltstypen, wie Kreuzworträtsel, interaktives Video, Adventskalender und Suchsel angelegt werden können. Schüler:innen werden durch die häufig leicht spielerische Art der Darstellung besonders angesprochen.
Auch die Aktivität Aufgabe hat viele sinnvolle Funktionen: die Jugendlichen können je nach Einstellungen die Aufgabe online oder per Dateiupload erledigen, die ich dann korrigieren und zurückmelden kann. Habe ich (in meiner Fachschaft) Erwartungshorizonte in Form einer Bewertungsrichtlinie oder Rubrik hinterlegt, klicke ich nur noch auf die einzelnen Felder, die Punkte werden addiert und direkt als Note an die Schüler:innen zurückgemeldet.
Gehen wir weg von den Aktivitäten und Materialien und schauen uns die Funktionen im Allgemeinen an. Meine Favoriten hier: Aktivitätsabschluss & Voraussetzungen. Schüler:innen einen auf sie und ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Lernweg anzubieten und somit der Forderung nach individueller Förderung nachzukommen, kann jede Lehrkraft nur überzeugen. Abhängig von den Einstellungen können die Lernenden Aufgaben beispielsweise nur dann sehen, wenn sie vorgeschaltete Aufgaben erledigt oder mit einer bestimmten Punktzahl abgeschlossen haben. Davon abhängig kann der nächste Lernschritt bestimmt werden: mit der Punktzahl x kann die nächste Aufgabe übersprungen, mit der Punktzahl y muss die Aufgabe wiederholt werden. Den individuellen Lernszenarien sind hier keine Grenzen gesetzt und somit nicht nur für den „normalen“ Unterricht oder die Vorbereitung auf die Kursarbeit sinnvoll, sondern auch für die Vorbereitung auf DELF-Prüfungen denkbar. Das Angebot ist orts- und zeitunabhängig und eine Ergänzung zum Präsenzunterricht: Es ersetzt die Lehrkraft nicht, aber es entlastet sie.
De « dur » à la « durabilité »
Entlastung… Ein gutes Stichwort, denn sprechen wir nun von der Kurssicherung. Wer von uns überlegt nicht Jahr um Jahr, wie besonders gelungenes Material für nachkommende Klassen und Kurse sinnvoll archiviert oder es den Schüler:innen als asynchrones Angebot dauerhaft zugänglich gemacht werden kann? Kurse oder auch nur Teile davon kann ich als Lehrkraft sichern, datensparsam in meiner Cloud aufbewahren und jederzeit ganz nachhaltig hervorholen. Oder aber direkt als langfristiges Angebot den Jugendlichen zur Verfügung stellen: Grammatikübungen zur Wiederholung, selbsterstellte Erklärvideos, die letzten DELF Prüfungen, kleine Podcasts oder der Link zur Partnerschule… Gelungenes Material findet sich nicht als vergilbte Kopie im Kursraum wieder, wobei das Arbeitsblatt hinten rechts im Regal, die CD in der Box und die Lösung bei der Lehrkraft liegt, sondern steht ordentlich aufbereitet online bereit.
Wie gesagt, aller Anfang ist schwer. Aber gerade „nach“ der Pandemie ist es wichtig, die Kompetenzen, die sich die Lehrerschaft selbst (hart) erarbeiten musste, nicht wieder über Bord zu werfen, sondern am Ball zu bleiben. Erst dann werden Schüler:innen ganz selbstverständlich mit den digitalen Strukturen in der Schule arbeiten, die sie aus ihrem Privatleben bereits kennen und die sie in der Berufswelt eh erwarten. Und auch erst dann wird die Mehrarbeit, die sich aus den neuen Strukturen, Konzepten, Ideen, Arbeitsweisen ergeben hat, letztlich zu einer Arbeitsentlastung führen – und das ist doch das, was wir uns alle wünschen, nicht wahr?








Richtig gut geschrieben. Das liest man gerne und lässt sich anstecken, mit Moodle zu arbeiten!
Vielen Dank für Ihre positive Rückmeldung! Wir freuen uns immer über jegliches Feedback! Dankeschön
Immer wieder inspirierende Beiträge von Frau Julien…. So macht Schule Spaß und Sinn
Dankeschön. Es freut uns sehr, dass Ihnen der Beitrag gefallen hat! Wir werden auf jeden Fall weiterhin solche Themen abdecken und freuen uns auch dann wieder über Rückmeldung. Vielen Dank!
Dieser Artikel motiviert sofort zum Arbeiten und macht auch wieder richtig Lust auf den Schulstart!
Vielen Dank für Ihre Rückmeldung und einen guten Start in das neue Schuljahr!