Tous ensemble-Blog
Französisch unterrichten mit Tous ensemble

Stop au gaspillage!

Schlagwörter wie Umweltbewusstsein, Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Verschwendung sind seit Jahren aus der Mitte der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Auch der Französischunterricht kann durch Aufklärung rund um das Thema einen kleinen Beitrag leisten und (vielleicht) zum Handeln auffordern.

Gaspillage im Unterricht

Ganz gleich, ob man einen Blick in das SchulG oder in den KLP wirft: eines der vielen Bildungs- und Erziehungsziele ist es, „zur Verantwortung für Tiere und die Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen“ (SchulG §2 (Fn 37) zu erziehen. Denn „im Rahmen des allgemeinen Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schule unterstützt der Unterricht im Fach Französisch die Entwicklung einer mündigen und sozial verantwortlichen Persönlichkeit“ (KLP NRW, Heft 3305, MSB (Hrsg.) S. 10) (externer Link). Gefordert wird Bildung für eine nachhaltige Entwicklung – nachhaltig für die Umwelt – nachhaltig für Schüler:innen.

Wie kann ich als Lehrkraft der Sekundarstufe 1 dieser Forderung nachkommen?

Eine Möglichkeit ergab sich dank Lektion 2 „Les images qui accrochent“ in Tous Ensemble 5. Hier kamen wir auf eines der Themen zu sprechen, das uns täglich begegnet: le gaspillage. Wenngleich der Einstieg im Buch zuerst das Augenmerk auf die Werbung und ihre entsprechende Wirkung legt, wird die Auseinandersetzung mit dem Thema gaspillage anhand von verschiedenen Angeboten, wie die Nahrungsmittelverschwendung, das unnötige Einkaufen von (Marken-) Kleidung und das (Nicht-) Recyclen von elektronischen Geräten im Dossier angestoßen.

Um tiefer in das Thema einzutauchen, benutzte ich ein Video (externer Link), das vom Ministère de la Transition écologique veröffentlicht worden war. Es zeigt nicht nur, wie sehr die verschiedenen Akteure der Ökologiewende miteinander vernetzt sind und welchen Einfluss das loi anti-gaspilage auf den Alltag der Bevölkerung hat, sondern auch, welche Handlungsmöglichkeiten jede:r Einzelne hat. Genau dort wollte ich ansetzen. Didaktisch als Hörverstehensaufgabe aufbereitet und anschließend als Video gezeigt, erlaubte das Video den Schüler:innen einen verbesserten thematischen Zugriff und einen Einstieg in das entsprechende Wortfeld.

Ich überließ die anschließende Textauswahl und die tiefergreifende Auseinandersetzung des Unterrichtsgegenstands nicht den Schüler:innen, sondern gab das Thema gaspillage alimentaire vor, da ich mir hiervon den bestmöglichen Zugang versprach.

Mit den auf der Internetseite des Ministère de l’Agriculture et de l’Alimentation zur Verfügung gestellten Contes de l’antigaspi (externer Link) war in der kommenden Stunde ein weiterer Sprechanlass geschaffen, da die Schüler:innen den Märchenbezug verstanden und mit ein wenig Unterstützung die jeweiligen Slogans umsetzen konnten. Die nächsten zwei Unterrichtseinheiten trugen die Schüler:innen teils von mir aufbereitete, teils von den Jugendlichen recherchierte Informationen zum Thema zusammen. Im Plenum wurden die Inhalte in einem klassischen Unterrichtsgespräch gesammelt und von den Schüler:innen schriftlich gesichert. Die Präsentationshilfe der KV 2 aus dem Lehrerband (Le gaspillage alimentaire) und die Erkenntnisse aus den Stunden dienten den Schüler:innen als Grundlage für eine Minipräsentation ihres Lernfortschrittes auf inhaltlicher und sprachlicher Ebene.
Als médiation kann eine Infographie verwendet werden im Stile von Un frigo bien rangé (externer Link), in der Hoffnung wenigstens die Inhalte des elterlichen Kühlschranks länger genießbar zu machen.

Agir contre une société de gaspillage

Dass wir in einer so genannten Wegwerfgesellschaft leben, war vielen Jugendlichen auch vor der Reihe bereits bewusst. Dies festzuhalten und sich somit ein stückweit bewusster zu machen, war die abschließende Aufgabe des Kurses. Innerhalb der nächsten Tage machten sie mit den Handys immer dann Fotos, wenn sie eine Art von Verschwendung fotografisch dokumentieren konnten. Die Fotos wurden von den Schüler:innen in das schuleigene LMS, in dem auch ein 24jours-défi zu zéro déchets zu finden war, hochgeladen. Nach einer kurzen Besprechung der Fotos im Plenum und Wiederholung des impératifs versahen die Jugendlichen mithilfe verschiedener Apps die Fotos mit passenden Slogans mit Aufforderungscharakter nach dem Vorbild der campagne gaspikids.

Am Ende solcher Reihen stellt sich mir als Lehrerin immer die gleiche Frage: Inwiefern kann Unterricht langfristig zu einer Verhaltensänderung bei den Schüler:innen führen und eben selbst nachhaltig sein? Dies ist leider schwer zu beurteilen, dennoch aber kein Grund, es nicht wenigstens mal auf diese Weise zu versuchen.

Kathrin Julien ist Realschullehrerin für die Fächer Französisch, Englisch und Geschichte und interessiert sich besonders für digitale Themen.

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Ein Kommentar

  1. M.B 25. Juni 2022 um 11:08 Uhr - Antworten

    Sehr gut! 👍🏻

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