Chartres en lumières
Planen Sie im kommenden Sommer einen Frankreichurlaub und suchen Sie noch einen Zwischenstopp für die Rückreise? Dann habe ich eine Idee für Sie: Chartres! Denn nachts verwandelt sich das beschauliche Provinzstädtchen mit seiner imposanten Kathedrale in einen Sommernachtstraum! Dieser letzte Abend in Frankreich wird Ihnen lange in Erinnerung bleiben…
Chartres en lumières – was ist das?
Auch in diesem Jahr werden vom 30. April bis zum 14. Januar 2023 wieder über 20 Gebäude und Brücken der Stadt nach Einbruch der Dunkelheit von renommierten Lichtkünstlern in Szene gesetzt. Zwei Millionen Besucher zieht dieses für Touristen kostenlose Event jährlich in seinen Bann. Trotz der beachtlichen Besucherzahlen kann man – zumindest unter der Woche – durchaus auch in der Hauptsaison einen entspannten Rundgang durch die Stadt erleben und hat nicht das Gefühl an einem massentouristischen Event teilzunehmen.
Die meisten Inszenierungen bedienen sich inzwischen der Technik des Video-Mappings und zeigen fließende, also sich verändernde Bilder bis hin zu Filmen auf den Steinfassaden der Stadt in einer Brillanz, Präzision und Ästhetik, die mich völlig fasziniert und in den Bann gezogen haben. Viele Inszenierungen werden – zum Teil dezent, zum Teil dominant – von Klangkompositionen oder Musik begleitet. Son et lumières, die in Frankreich eine lange Tradition aufweisen, präsentieren sich hier in ihrer modernsten Form!
Mein Rundgang – zur Nachahmung empfohlen
Fulminanter Start meines Rundgangs durch das nächtliche Chartres ist die etwa dreißigminütige Show an der Hauptfassade der Kathedrale, die (im wahrsten Sinne des Wortes) in zwei Teilen die Geschichte der Kathedrale und der Stadt aufs Schönste „beleuchtet“. Mit ergreifender Musik und sphärischen Klängen unterlegt ist das so spektakulär, dass zumindest ich die Show gleich dreimal hintereinander genieße! Wie schön, nachts auf dem knirschenden Kiesplatz vor der Hauptfassade zu stehen mit anderen Menschen aller Altersstufen und Nationen, die allesamt ergriffen und begeistert sind von den originellen und wunderschönen Szenen, die sich auf der Fassade abspielen.
Die nächsten „Lichtpunkte“ ziehen die Besucher geradezu automatisch an: Zum nächsten „Highlight“ geht es links entlang der Kathedrale zum Nordportal mit den vielen Heiligenfiguren, die präzise beleuchtet in unterschiedlichen Farben erstrahlen, so dass alle Details der Steinmetzkunst hervorgehoben werden: rot-bunte Gewänder, dunkle Bärte, goldene Stäbe, weiße Lämmer und vieles mehr sind in sich immer wieder verändernden Beleuchtungsszenarien zu bestaunen. Gleich nebenan befindet sich das Eurelium, ein Archiv, dessen Lichtshow die Geschichte des französischen Widerstandes erstrahlen lässt.
Mit dem kleinen Plan (der in vielen Restaurants oder Hotels der Stadt erhältlich ist) oder der App in der Hand ist es leicht, weiter im eigenen Rhythmus durchs nächtliche Chartres zu schlendern. Durch kleine Gässchen geht es runter an das Flüsschen Eure, dessen Brücken und Waschhäuser beleuchtet sind. An der südlichsten Brücke angekommen führt der Rundgang dann wieder hinauf in die Innenstadt zur Erkundung der letzten „Lichtpunkte“, beispielsweise die Eglise Saint-Pierre, das Theater, die Mediathek und die alte Kapelle Sainte Foy.
Übrigens: Jedes Jahr werden neue Inszenierungen ins Repertoire aufgenommen. In diesem Jahr sind dies unter anderem die Gartenfassade des Hotels Montescot und eine Erneuerung der Szenographie in der Rue Saint-Pierre. Auch für Wiederholungstäter hat Chartres also immer etwas Neues zu bieten.
Tipps für Ihren Besuch in Chartres
- Viele „Lichtpunkte“ laden zum Verweilen ein. Warum nicht aufs Abendessen verzichten, einen Picknickkorb packen und nach bester französischer Tradition unterwegs Käse, Rotwein und Baguette genießen? Ich finde, schöner kann man einen letzten Sommerabend in Frankreich nicht gestalten…
- Hat man noch etwas mehr Zeit im Gepäck, dann lohnt auf alle Fälle (bei Tag) ein Besuch der gotischen Kathedrale, die im Inneren einige besondere Schätze zu bieten hat: so z.B. das größte Labyrinth in einer französischen Kirche mit über 12 Metern Durchmesser und die gerade frisch renovierten Steinmetzarbeiten rund um den Altarraum, die wie ein filigraner Bildband in 3D die Lebensgeschichte Jesu zeigen. Last but not least besitzt die Kirche den größten Bestand an original gotischen Glasfenstern, die wohl schon zu ihrer Zeit die Bewohner Chartres für das Licht begeistert haben mögen und deren „Chartres-Blau“ bis heute als einzigartig gilt. Das Geheimnis der Herstellung dieser Farbe haben die Glasmacher mit ins Grab genommen…
- Für mehr Informationen anbei der Link zur offiziellen Seite: Chartres in Lichtern (externer Link)
- Zuletzt noch ein ganz persönlicher Tipp: Ich habe mir NICHT vorab die gesamte Lichtshow der Kathedrale im Internet angeschaut. Viel schöner fand ich es, mich (wie ein Kind) ohne konkrete Vorstellungen oder eine riesige Erwartungshaltung einfach überraschen zu lassen!
Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Abend in Chartres!








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