1 Das Projekt
Mit der novellierten Prüfung wird seit dem Schuljahr 2020/21 in den schriftlichen Abschlussprüfungen im Fach Französisch die Produktion eines Textes verlangt. Also stellte sich für mich die Frage, wie ich das Verfassen verschiedener Textsorten auf kreative Weise anregen könnte. – Die Methode „Projektarbeit“ bot sich an und ermöglichte gleichzeitig die kompakte Vermittlung von Wissen als Voraussetzung, wie auch den freien und selbstgesteuerten Umgang mit dem Thema „Écrire un texte“.
In der Frühphase der Projektarbeit habe ich mit den grammatischen Zeiten „présent“, „passé composé“ und „futur composé“ zunächst die zu verwendenden grammatischen Zeiten, sowie die Angleichung der Adjektive und die Frageformeln wiederholt. Die Formen des „imparfait“ habe ich in Einzelfällen zur Wahrung der grammatischen Korrektheit bei Bedarf vorgegeben.
Für das „Setting“ habe ich den Küstenort „Le Grau du Roi“ gewählt und eine imaginäre „Colo de vacances“ dort angesiedelt. Auf diese Weise konnte die in Tous Ensemble 2 vermittelte Landeskunde am Ende des Schuljahres noch einmal aufgegriffen werden.

Sehr schnell stellte sich bei der Arbeit an den Texten heraus, dass natürlich Wortschatz zusätzlich zum Lehrwerk nötig wurde, um genau die gewünschte Situation, Handlung und Stimmung ausdrücken zu können. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn der Umgang mit einem Nachschlagewerk „musste“ nicht isoliert eingeführt werden, sondern die „Autor:innen“ wollten die Wörter schließlich wissen!
Absoluter Motivations-„Boost“, der jedoch von mir den Mut verlangte „loszulassen“, stellte folgende, aus Schüler:innenperspektive natürlich sehr naheliegende Frage dar: „Bekommen wir für unsere Texte eine Note?“ – Ja, man muss als Sprachlehrerin auch einsehen, dass nicht alle unbedingt mit der eigenen Begeisterung dabei sind und verdrängt das allzu gerne. Daher lautete die Antwort „Nein, das geht ohne!“ (Nicht ohne leises Seufzen).
Die Überraschung folgte prompt: Es landeten nacheinander über dreißig originelle, phantasiereiche und spannende Texte zur Korrektur auf dem Pult!
Das wirklich erfreuliche Ergebnis:
Ein selbst erstelltes Lektüreheft mit Beispieltexten zu einem übergeordneten Thema mit „table de matières“, „filets de mots“ zu den Bereichen „crime, police, activités, colo de vacances“, den Textsorten „description d’un paysage/ d’une personne/une maison/un magasin, donner son avis, dialogue, entrée de journal, écrire une lettre/un e-mail ou un message sur le portable“ inklusive Zeichnung und Deckblatt, liegen allen Schüler:innen für die Zukunft zum Nachschlagen vor – und die stolze Erkenntnis aller Beteiligten:
Ecrire, ça fait plaisir!!
2 Ablaufübersicht, Zeitumfang, Material
a Vorstellung des Projekts in der Klasse
Ich gebe zu, dass ich hier sehr direkt vorgehe und authentisch bin und alle Gründe dafür anspreche:
- Es dient der Wiederholung, Festigung und dem Ausbau des Wortschatzes und der Grammatik, die seit zwei Jahren gelernt wurden.
- Landeskundliche Inhalte werden aufgegriffen und erweitert.
- Bündelung aller bisher kennengelernter Textsorten und Festhalten derer Merkmale, bzw. Einführung der Textsorten, die in Zukunft für Unterricht, Klassenarbeiten und Abschlussprüfung relevant sein werden.
- Methodenwechsel hin zu projektorientiertem Unterricht mit einem je nach Phase und Bedarf Wechseln der Einzel- und Gruppenarbeit.
- Vor allem die Arbeit in Eigenregie wurde sehr geschätzt, denn ich bekam nach jeder Unterrichtsstunde erstaunt mitgeteilt, dass die Zeit so schnell vorbei gegangen ist. Auch das war bereits nach der ersten Unterrichtsstunde eine nicht zu unterschätzende Motivationskomponente.
Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein – den Eindruck möchte ich weder erwecken noch Tatsachen beschönigen: Schüler:innen, die sonst eher in Gedanken „außerunterrichtlich orientiert“ sind, werden auch hier ihre Möglichkeiten finden, ihre Produktivität nicht zu sehr zu strapazieren. Nur: Die gibt es in den anderen Unterrichtsformen auch und vielleicht sogar mehr von ihnen!
Als Zeitumfang benötigte ich drei Wochen à drei Unterrichtsstunden, mit Hausaufgaben für Lehrer und Schüler!
Als Material sollte lediglich ein DIN A 4-Schnellhefter angeschafft werden.
Von der Schule zu stellen: Zweisprachige Wörterbücher, Tablets und Beamer falls eine Fortführung des Projekts stattfindet, Papier als Konzept und zur Reinschrift
b Vermittlungsphase I: Thema und Zusammenstellen der Textmerkmale
Dazu gingen wir das Lehrwerk gemeinsam durch und notierten die vorkommenden Textsorten an der Tafel.
In Form einer Tabelle hielten wir im ersten Schritt die wichtigsten Stichpunkte fest.
In einem Zwischenschritt habe ich nun das „Setting“ eingeführt, damit das übergeordnete Thema für alle als Rahmenhandlung deutlich wird:
In einem Feriencamp für Jugendliche finden sich die drei Freund:innen.
Es gibt viele Aktivitäten, eine davon ist ein Strandtag mit plonger, kite-surf.
Die Jugendlichen dürfen über Mittag in die Fußgängerzone bummeln gehen und auch etwas zu Mittag oder ein Eis essen gehen. Dabei werden sie Zeugen eines Überfalls auf ein Geschäft und vielleicht sogar zu Detektiven….
In der folgenden Unterrichtsstunde habe ich Infoblätter mit möglichen Arbeitsaufträgen zur Wiederholung und Ergänzung ausgegeben. Diese Informationsblätter wurden zum Nachschlagen gemeinsam mit der Tabelle zum „Livret“ im Anhang abgeheftet. Download Informationsblätter
c Input- und Auswahlphase
Meine Vorgabe war, dass alle Schüler:innen wenigstens zwei Textsorten auswählen und dazu schreiben. – Es wurden bei vielen drei oder vier!
Das bedeutet natürlich auch, dass alle Texte korrigiert werden mussten. Ich fand eigentlich, dass es sehr amüsant und weniger Arbeit war (zumal ich ja nichts bewerten musste…)! Vor allem für Kolleg:innen, die in diesem „Durchgang“ noch nicht in die Abschlussprüfungen involviert waren oder nicht als weiteres Fach Englisch unterrichten, finde ich es sehr hilfreich und aufschlussreich zu sehen, was in diesem Lernstadium geleistet, aber auch nicht geleistet werden kann, bzw. was Probleme bereitet, die gezielt aufgegriffen werden können!
Bei den Aufgaben habe ich darauf geachtet, dass prinzipiell alle Schüler:innen in der Lage sind, einen Text zu verfassen. Manchen liegt eher der sachlich-formale Stil, andere erzählen sehr gerne, viele machen auch beides.
Ein weiterer Pluspunkt durch die Hintertür:
Schon durch den Auftrag, etwas auswählen zu müssen, werden ALLE Informationsblätter zu den Texten gelesen…
3 Schreibphase mit Zwischenschritt „Wortschatz“
Ebenso, wie ganz zu Beginn des Projektes, ist auch hier wieder Zurückhaltung und Geduld von mir gefragt gewesen: Anstatt die Klasse von vornherein mit Wortschatz für alle Eventualitäten zu überfrachten, habe ich bemerkt, dass es besser war, abzuwarten, bis die Schüler:innen Wörter dringend brauchten, weil sie sonst nicht weiter kamen mit dem, was sie ausdrücken wollten!
Als Zwischenschritt taten sich ganz frei diejenigen in kleinen Gruppen zusammen, die eine ähnliche Textsorte gewählt hatten und ähnliche Wörter benötigten. Mit zweisprachigen Wörterbüchern wurden jetzt quasi auf eigene
Faust Wörter nachgeschlagen. Meine Bitte dabei war, filets de mots zu den Themen zu gestalten (activités, crime, police, les parties du corps, médias, le temps…), damit wir das für alle kopieren und abheften konnten.
4 Arbeitsphase für alle!
Anschließend kam mein Einsatz, nach und nach alle Texte zu korrigieren und: JA, ich würde es wieder machen! Denn durch die direkte Rückmeldung 1:1 habe ich tatsächlich einen positiven Effekt erkennen können! Der „Trick“, dass die Texte dann für alle kopiert werden sollten, verlangte nicht nur einen wirklich fehlerfreien Text, sondern ganz nebenbei noch ein sauberes Schriftbild!
5 Anlegen eines Lektüreheftes
Damit es auch wirklich ein Heft wird, können hier zugleich noch Inhalte einfließen, die gleichermaßen für das Erstellen einer schriftlichen Ausarbeitung dienen:
Gestaltung des Deckblattes mit Titel und Autor:innen, dann Festlegen der Textreihenfolge, Erstellen eines Inhaltsverzeichnisses, Anhang des Wortschatzes
6 Abschluss des Projektes
Wichtig für alle Beteiligten war anschließend nicht nur das fertige Ergebnis in den Händen zu halten oder es Zuhause zu zeigen, sondern vor allem der Abschluss in Form von Lob und Belohnung. Bei uns war das ein gemeinsames Frühstück, es kann aber auch ein „Ausflug“ zur Eisdiele sein, der Entfall eines Vokabeltestes…etc. Lernpsychologisch wichtig ist, dass es einen echten Abschluss gibt und das Ende nicht einfach im Sand verläuft und es einen „reward“ für die Mühe gibt!
7 Fortführung
Spätestens beim nächsten Tag der offenen Tür kann das Livret eine „Wiederbelebung“ erfahren und nicht nur präsentiert oder von den Autor:innen daraus vorgelesen werden.
Wie wäre es, ein Hörspiel daraus zu machen, falls der Tag nur „digital“ begangen wird und dann einen QR-Code auf die Schulhomepage zu stellen (Achtung: Einverständniserklärung der Eltern)?
Oder: Einen Film mit Spielfiguren, Knetmasse bei sehr kreativen Gruppen oder mit Bildern als Comic verfilmen und vorführen?
Natürlich könnten einzelne Dialoge auch szenisch umgesetzt werden – es sind
auch eurer Kreativität keine Grenzen gesetzt!
8 Pour finir…..
Ganz allgemein gilt es selbstverständlich zu sehen, wo die Klasse steht. Meine Gruppe war sehr kreativ, offen und mit drei Inklusionskindern. Die Ausgangslage war so, dass alle coronabedingt monatelang im Fernunterricht waren. Aufgaben und Inhalte, die per Online-Unterricht oder als Arbeitsauftrag in Buch und Cahier d’activités erledigt werden konnten, waren wirklich „abgegrast“. Stattdessen ging es darum, in Gruppen- und Partnerarbeit gemeinsam und ergebnisorientiert etwas mit Sprache „herzustellen“. Normalerweise kann das Projekt natürlich ohne Lockdown nach einer Arbeitsphase im Anschluss an eine Klassenarbeit eingeplant werden.
Vielleicht konnte ich dazu anregen, dass Ihr mit eigenen Ideen und auf eure Klasse angepasst das gleiche Projekt durchführt und sogar noch ergänzt!
Bonne chance!!!








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