„Neue Vokabeln? Die kommen mir aber so bekannt vor…“
„Un écran“ war eine neue Vokabel in meinem Französischkurs A1 an der Universität. Lange musste ich darüber aber nicht grübeln. Klar, „écran“ heißt „Bildschirm“, aber, eine Sekunde, woher wusste ich das eigentlich so schnell, obwohl ich das Wort vorher noch nie gehört hatte?
Die Antwort: Türkisch, meine Muttersprache. Auf Türkisch heißt Bildschirm nämlich „ekran“. Die türkische Schriftsprache ist sehr lautnah, also werden Fremdwörter so geschrieben, wie sie ausgesprochen werden. Deshalb nennt man es auch im Türkischen „avukat“ („Rechtsanwalt“ aus dem Französischen „avocat“) oder „rötar“ („Verspätung“ – vor allem bei Flügen – aus dem Französischen „retard“) Viele internationale Begriffe – gerade aus dem Französischen – wurden so übernommen.
Das Französische hat das Türkische nämlich stark beeinflusst – besonders im 19. Jahrhundert, als Französisch als die Sprache der Bildung, Diplomatie und Modernisierung galt. Zahlreiche französische Lehnwörter kamen damals während des Osmanischen Reiches und später auch zu den Zeiten der modernen türkischen Republik, in die türkische Sprache. Dieser Trend ging auch bis ins späte 20. Jahrhundert weiter, weshalb wir heute für Bildschirm „ekran“ statt zum Beispiel „skrin“ (screen aus dem Englischen) sagen. Außerdem ist Türkisch da bei weitem kein Einzelfall: Auch in Sprachen wie Arabisch oder Russisch haben zahlreiche französische Lehnwörter im Wortschatz ihren Platz.
Schön und gut, aber was hat das mit dem Französischunterricht konkret zu tun?
Eine ganze Menge! Mein Aha-Moment mit „écran“ ist ein gutes Beispiel dafür, wie Mehrsprachigkeit beim Sprachenlernen helfen kann. Denn: Wenn Lernende Vokabeln aus ihrer Muttersprache wiedererkennen – selbst, wenn es wie bei mir unbewusst ist –, fällt das Lernen leichter. Sie müssen sich das Wort nicht komplett neu einprägen, sondern können auf Vorwissen zurückgreifen. Das schafft Sicherheit, senkt die Hürde und motiviert.
Lehrkräfte können solche Aha-Momente gezielt nutzen. Besonders bei Lernenden mit verschiedenen sprachlichen Hintergründen lohnt es sich, die sprachliche Vielfalt im Klassenzimmer aktiv einzubeziehen: Gibt es Wörter, die aus Muttersprachen bekannt sein könnten? Welche Sprachen haben ähnliche Lehnwörter aus dem Französischen? Ein Blick auf Gemeinsamkeiten schafft Verbindung – nicht nur zwischen Sprachen, sondern auch zwischen den Lernenden selbst. Dabei können Lernende mit verschiedenen Migrationshintergründen Gemeinsamkeiten, dank der französischen Sprache finden!
So wird der Französischunterricht nicht nur inklusiver, sondern auch lebensnäher, motivierender und kann Lernende zusammenbringen!
Neugierig geworden? Eine Kopiervorlage zur Mehrsprachigkeit wartet hier schon, damit ihr sie in eurem Unterricht ausprobieren könnt!








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