Tous ensemble-Blog
Französisch unterrichten mit Tous ensemble

Lesen im Unterricht – ein Erfahrungsbericht

Die Arbeit mit längeren Texten und Lektüren

Lesen im Unterricht

Bei der Arbeit mit Texten überrascht mich immer wieder, wie wenig Lernende in der Lage sind, Hilfestellungen wie z.B. den Erwartungshorizont nach einem schnellen Skimming oder das Erschließen von unbekannten Wörtern mit Hilfe des Kontextes oder anderer Sprachen zu nutzen. Sie nehmen sich nicht die Zeit, Schritt für Schritt mit dem Text zu arbeiten und oftmals ist das einzige Hilfsmittel, das sie verwenden, die KI, welche ihnen die Arbeit abnehmen soll.
Daher ist es umso wichtiger, im Unterricht gezielt Strategien zur Arbeit mit Texten zu trainieren. In den Tous ensemble Lehrwerken könnt Ihr beispielsweise im Abschnitt zu den Stratégies am Ende jedes Bandes konkrete Lesestrategien, wie die Vorarbeit, Globales Lesen und Selektives Lesen nachschlagen und üben (z.B. S.141/142 von Tous ensemble Band 4, Blättern im Buch)

Diese Lesestrategien sollte man bei jedem Text anwenden. Sie sind auch Teil mancher Lehrplanvorgaben.

Schritt für Schritt: Die Arbeit mit einem Text

Schritt 1Schritt 2Schritt 3Schritt 4
Textsorte analysieren,
Erwartungen an den Text formulieren
aufgrund von Bildern, Titeln etc.
Text überfliegen:
Wer, wie, wo, was?
Details im Text suchen:
Was muss ich wissen?
mit Hilfe des Kontextes weitere Details
verstehen
Bearbeitung der Aufgaben zum Text

Der Bildungsplan Baden‑Württemberg betont allerdings, dass Lernende nicht nur kurze Texte, sondern auch längere, authentische oder didaktisierte Lektüren bearbeiten sollen, um das Textverständnis nachhaltig zu fördern.
Daher erzähle ich euch jetzt von meiner Erfahrung mit Lektüren und es gibt einige praktische Tipps für die Umsetzung in der Praxis.
Wir können uns alle an unsere erste Lektüre in der Fremdsprache erinnern und das war definitiv nicht ein einfacher Start in diese „Freundschaft“, oder bei mir zumindest nicht. Eine erste Lektüre ist oft überfordernd und ein hartes Stück Arbeit, das sich aber lohnt. Als Lehrkraft haben wir hier eine große Verantwortung, da wir mitwirken, wie die Lernenden diese Herausforderung wahrnehmen und bewältigen.
Ich habe hier übrigens  viel von unserem kleinen Leseclub an meiner damaligen Schule während meiner Sprachassistenzzeit mitgenommen. Vielleicht lohnt es sich auch, über einen Leseclub nachzudenken?

Meine Learnings

  1. Leseroutinen sind das A und O: Die Lektüre muss präsent sein und man muss Zeit im Unterricht schaffen , um gemeinsam zu lesen und zwar nicht nur einmal, sondern regelmäßig.
  2. Stilles Lesen: Um sich wirklich auf den Text zu konzentrieren, sollten die Lernenden leise lesen. Gerade bei längeren Lektüren kann man gut im eigenen Tempo lesen. Zwischendurch wird gestoppt und man spricht gemeinsam über die jeweiligen Abschnitte. Sollte jemand schon weiter gelesen haben, ist das ja kein Problem.
  3. Kleine Portionen: Es muss nicht viel gelesen werden, besser öfter, aber dafür kürzere Abschnitt. So ist die Informationsmenge begrenzt und kleine Erfolgserlebnisse sind einfacher zu schaffen.
  4. Gruppenarbeit: Im Plenum gemeinsam zu lesen ist nicht so spannend. Hier ist es viel effizienter, die Lernenden in kleine Lesegruppen einzuteilen. Diese Kleingruppen können ein fester Bestandteil der Leseroutinen werden und letztere so fördern. Zusätzlich ist es sehr motivierend, wenn die Lesegruppen dann jeweils für die andere Gruppe knifflige Fragen ausarbeiten. So kann man sicherstellen, dass die Lernenden die jeweiligen Abschnitte tatsächlich selbst lesen.
  5. Kreative Nachbearbeitung: Es muss direkt mit den jeweiligen Textabschnitten gearbeitet werden, sonst ist die Verlockung zu groß, eine KI um eine Zusammenfassung zu bitten. Hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt:
    Social Media Profile für die Hauptcharaktere erstellen, eine Szene nachspielen, das Ende neu schreiben (Gegenteil), die Perspektive wechseln und den Text aus der Sicht einer anderen Person schreiben, Hot-Seat-Gespräche (eine Person schlüpft in die Rolle einer Person im Buch und muss Fragen beantworten), Tagebucheintrag, Nachricht einer Person an einen Freund / eine Freundin

Kurz zusammengefasst: Eine positive Leseerfahrung wird gefördert, wenn der Text an die Lebenswelt der Lernenden anknüpft, eine Leseroutine in den Unterricht integriert wird und ein Text durch aktive Aufgaben vielfältig erschlossen wird.
Jetzt fehlt nur noch die passende Lektüre, oder? Wenn Ihr dem Link folgt und unten „Lektüren und Hilfen“ anklickt, bekommt Ihre unsere Lektüreempfehlungen. Es ist für alle Niveaus etwas dabei!
Und wenn Ihr mehr wissen wollte, weitere Ideen habt, o.ä. hinterlasst uns gerne einen Kommentar.

Bonne lecture !

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Über die Autorin

Luisa Laubichler

Ich bin Luisa, begeisterte Fremdsprachenlehrerin. Ich habe Spanisch und Französisch auf Lehramt an der Universität Wien studiert und dort auch mein Referendariat gemacht und anschließend meine ersten Unterrichtserfahrungen gesammelt. Derzeit lebe ich allerdings in Chiclana de la Frontera und unterrichte hier in Andalusien Deutsch an einer bilingualen Sekundarschule.

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