Tous ensemble-Blog
Französisch unterrichten mit Tous ensemble

Les santons de Noël: Vom (Sach-)text zum Comic

💫⭐💫 12. Dezember 2024 ⭐💫⭐

Der Anfang

Am Anfang stand, gebe ich zu, gar nicht die Durchführung eines Projektes, sondern zuallererst die Notwendigkeit, das Klassenzimmer der 7. Klasse weihnachtlich zu dekorieren…
Dazu fiel mir bei der Durchsicht meiner Unterlagen ein uralter Zeitungsartikel über die „Santons de Provence“ in die Hände. Der Artikel war zwar zu kompliziert für das Lernjahr, doch wollte ich wenigstens die Figuren der Krippe auf Papier ausdrucken, beschriften und im Klassenzimmer an die Wand hängen, um etwas weihnachtliches mit französischem Bezug zeigen zu können. Hintergrund war zudem, dass ich vor Jahren mit meiner französischen Austauschfreundin zu Schulzeiten Séguret besucht hatte und damals schon von den „kleinen Heiligen“ begeistert war, die dort in den Schaufenstern der Werkstätten ausgestellt werden.

Einführung des Projekts

Als Einführung zeigte ich als erstes der Klasse Fotos von der Provence, von Séguret und wir suchten den Ort auf der Landkarte. Es waren auch Fotos von den Santons dabei, die ich jeweils an eine Magnettafel aufhängte und beschriftete.
Natürlich fiel bereits beim Ansehen der Figuren auf den Fotos ins Auge, dass in der Provence wesentlich mehr Figuren zum „inneren Kreis“ der Krippenszene gehören als es bei uns Tradition ist. Daher hatte ich ein Informationsblatt für die folgende Stunde vorbereitet mit landeskundlichen Inhalten zu den „Figurengruppen“ der Santons.
Da manche Berufe wie „le prof“, „le/la boulanger-ère,“ „le vendeur/ -euse“ bekannt waren, konnte ich gut im folgenden Schritt weitere Berufe in einem „filet de mots“ einführen.
Ebenfalls als „filet de mots“ haben wir die Kleidungsstücke mit Farbadjektiven wiederholt und wo nötig ergänzt.
Auf dem Blatt waren neben den Vertretern der Berufsgruppen auch kurze Erklärungen zu den Figuren „l’Aveugle et son fils“ und „le Ravis“, die Fragen aufwarfen. Der „Weihnachtsgedanke“ wurde mit ein wenig Hilfe schnell deutlich: Alle gehören dazu, ob alt, jung, blind, gebrechlich, gebildet oder nicht, Mann, Frau oder Kind, jeder Beruf und jede Begabung sind gleich und haben ihre Daseinsberechtigung.

Weiterführung

Als Progression sollten die Figuren nun zum Leben erweckt werden und lediglich ganz kleine, einfache Dialoge verfasst werden, wie z.B. „Ça va? Tu viens d’où? Comment tu t’appelles? Qu‘est-ce que tu fais?“ Oder es konnten Aussagen formuliert werden wie: „Il fait froid, le bébé est mignon, ils n’ont pas d’argent“ etc. Diese sollten abschließend szenisch dargestellt werden.
Diesen Gedanken fand die Klasse sehr höflich „ok“… – und ich merkte, der Funke war an dieser Stelle nicht so übergesprungen, wie ich es vielleicht gehofft hatte. Nur wenige Sekunden später allerdings hatten einige Schülerinnen den Einfall, anstatt selbst „auftreten zu müssen“, alles zu malen. ­­– Genau in diesem Augenblick wurde die gemeinsame Idee geboren, in Gruppen Comics anzufertigen!
In einem Zwischenschritt nahm ich einige französische Comics von Zuhause mit, so z.B. von Bill et Boule und Astérix, um typische Merkmale von Comics heraussuchen zu lassen. Zufällig fand ich in „Tous Ensemble 5“ der 10. Klasse, die ich außer dieser 7. Klasse unterrichtete, ergänzend Sequenzen von „La fête de la BD“, in denen zusätzliche typische Symbole und lautmalerische Ausdrücke vorgestellt werden. Sie machen einen Comic erst zum Comic! So konnte die Arbeit beginnen:
In jeder Gruppe wurde entschieden, wer zeichnet und wer für die Texte zuständig ist und dann ein „Storyboard“ verfasst, in dem mit wenig Text eine Geschichte mit Handlung und Spannungsbogen entsteht und die eine lustige Wendung am Ende enthält, die den Leser schmunzeln lässt, et voilà die sehr kreativ geratenen Ergebnisse nach 8 Unterrichtsstunden zusammengefasst:

  • Jesus wird vom Storch gebracht, der facteur kommt anschließend mit der Rechnung für den Transport. Maria und Josef haben kein Geld und gerade als der Briefträger Jesus wieder mitnehmen möchte, kommen die drei heiligen Könige an und springen mit ihren Geschenken ein.
  • Jesus wurde gekidnappt, von den drei heiligen Königen auf ihrem Weg zur Krippe aufgefunden, dramatisch befreit und zu seinen Eltern zurückgebracht. Wegen des Happy Ends feiern wir Weihnachten.
  • Die Könige kommen deswegen später, weil sie sich über die Geschenke für Jesus zerstritten hatten.
  • Es waren ursprünglich vier Könige, doch einer ging bei der Anreise mit dem Schiff über Bord, wurde auf einer Karibikinsel angespült und chillt jetzt mit Schirmchen-Drinks im Sonnenuntergang.
  • Großstadtkinder erzählen sich auf ihrem Schulweg durch die Großstadtwüste die Weihnachtsgeschichte und diskutieren über den eigentlichen Sinn von Weihnachten.

Fazit

Eine tolle Erfahrung als Fremdsprachenlehrerin war während des Projektes zu sehen, was produktiv gearbeitet wird, trotz oder gerade weil man „loslässt“ und nicht alles plant und vorgibt, sondern der Klasse Raum für eigene Ideen gibt und wie die andere Sprache plötzlich kein Hindernis mehr war und keine Barriere darstellte, um den gewünschten Inhalt ausdrücken zu können. – Ja, es mussten auch ein oder zwei Strukturen oder Wörter verwendet werden, die „zu schwer“ für die Jahrgangsstufe wären, doch die konnte ich guten Gewissens vorgeben. Keine Angst vor subjonctif in Klasse 7, solange er rezeptiv verwendet wird! Ich finde, es sollte nicht so weit vereinfacht werden, dass es am Ende verkehrt wird. Außerdem stand die Vermittlung der „message“ für die Gruppen im Mittelpunkt!

Alles in allem war das Feedback für die Klasse und die Lehrerin wirklich sehr motivierend!

Variante

Für alle, die weniger „traditionell“ arbeiten möchten, kann ich noch eine Variante vorschlagen: Im französischsprachigen Québéc gibt es Weihnachtswichtel, „Les lutins de Noël“. Sie haben je nachdem, was sie in der Weihnachtszeit alles anstellen, entsprechende Namen: Grattepot, Volebougies, Claqueportes, Chipesaucisse, Crocheviande oder Renifleporte!
Sie werden natürlich nie ertappt und man hört nur Geräusche in der Nacht und bemerkt am nächsten Tag fehlendes Essen und Gegenstände. Es fragt sich, ob es die Wichtel tatsächlich gibt, ob sie nur in der Fantasie existieren oder sogar von Familienmitgliedern als Ablenkungsmanöver erfunden wurden…?

Wie für die „Santons“ ließe sich ein einfacher Text verfassen, der dazu anregt, die Wichtelstreiche als Comics zu gestalten!

santons

Astrid Braig unterrichtet Französisch und Englisch an der St. Raphael Realschule in Heidelberg

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